Seit Beginn der industriellen Revolution ist die atmosphärische Kohlenstoffdioxidkonzentration von 280 ppm (parts per Million) auf durchschnittlich 409 ppm im Mai 2017 gestiegen, was in diesem Zeitfenster einem erdgeschichtlich beispiellosen Anstieg entspricht. Die Erwärmung der Atmosphäre und alle damit verknüpften Folgen sind jedoch nur eine Seite des Klimawandels, denn der anthropogen herbeigeführte Anstieg der Kohlenstoffdioxidkonzentration in der Atmosphäre führt auch zu einer Versauerung der Ozeane. Kalkbildende Organismen wie Muscheln oder Korallen können dadurch nur vermindert Kalk bilden oder sogar absterben. Damit sind nicht nur der Fortbestand von Riffen und damit der natürliche Küstenschutz gefährdet, sondern auch die Biodiversität der in den Meeren lebenden Organismen – auch Fische und Säugetiere als Bestandteil der Nahrungskette gehören dazu.

Im Projekt „Ozeanversauerung schon in der Grundschule?“ der Arbeitsgruppe Chemiedidaktik gehen wir der Frage nach, welche Vorkenntnisse Schülerinnen und Schüler in der Primarstufe zum Themenfeld Kohlenstoffdioxid vorweisen können und ob es möglich ist, mit der Ozeanversauerung einen anderen oft weniger beachteten Teilaspekt des Klimawandels mit anschaulichen Experimenten (die zum nachhaltigen Denken anregen) bereits in den Sachunterricht zu implementieren. Dies ist auch aus einem anderen Aspekt von Bedeutung, denn der Anteil von naturwissenschaftlichen Inhalten insbesondere aus der Chemie und der Physik sind nicht nur im naturwissenschaftlichen Anfangsunterricht der 5./6 Klasse gegenüber biologischen Inhalten stark unterrepräsentiert, sondern kommen auch im Sachunterricht der Grundschule zu kurz. Dabei ist es auch schon in der Grundschule wichtig, die Basis für das Interesse an chemischen und physikalischen Fragestellungen zu legen – dies wird in diesem Projekt mit fachübergreifenden Inhalten verwirklicht.

Im Projekt wurde zunächst eine Fragebogenstudie mit Schülerinnen und Schülern aus den Klassenstufen 3 bis 9 durchgeführt. Aufbauend auf dieser Befragung wurden verschiedene Experimente zur Versauerung der Ozeane entwickelt und in der dritten und vierten Klasse sowie in der Sekundarstufe I durchgeführt, evaluiert und optimiert.

 

Projektleitung:

Prof. Dr. Martin Gröger

 

Mitarbeiter*innen:

Marc Thiessenhusen

 

Veröffentlichungen:

Zuleta, M.; Heck, V.; Gröger, M.; Thiessenhusen, M. (2017, eingereicht):  Dióxido de carbono (CO2) y calentamiento climático global: un tema a introducir en la escuela colombiana. In: Revista de Education y Pedagogia.

Thiessenhusen, Marc; Gröger, Martin (2017):  Ozeanversauerung. Die andere Seite des Klimawandels. In: Gröger, M., Wiesemann, J. & Janssen, M. (Hrsg): Nachhaltig Handeln lernen im Sachunterricht. Siegen: Universi-Verlag, S.231-244.

Thiessenhusen, M.; Zuleta, M.; Heck, V.; Gröger, M. (2017):  Kohlenstoffdioxid: Ein Thema für die Grundschule? Ein Vergleich von Kenntnissen von deutschen und kolumbianischen Schülerinnen und Schülern. In: Gröger, M., Wiesemann, J. & Janssen, M. (Hrsg): Nachhaltig Handeln lernen im Sachunterricht. Siegen: Universi-Verlag, S.265-277.